Arbeits-Eingewöhnungsphase für Freiberufler
Autor: ZetttHat man sich einmal ein (“GTD”) System erarbeitet braucht man nur wenige Änderungen daran vorzunehmen über die Jahre.
Leider dauert es auch ein wenig eh man dieses System sich erarbeitet hat. Jüngste private Neuerkenntnisse machten es nötig für mich mein GTD/Planungssystem noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten.
Ein System finden
Man wird nicht von heute auf morgen einfach “planend”. Das ist ein fortlaufender Prozess und kann sich lange hinziehen. Wahrscheinlich braucht man auch drei oder vier Anläufe. Wenn man sich aber mal entschieden hat, läuft das Ganze.
Zur System-Findung einfach ein oder zwei Bücher zum Thema lesen. Getting Things Done von David Allen und Lothar Seiwerts Wenn du es eilig hast, gehe langsam beispielsweise.
Während dieser Phase verändert sich viel. Ist man eher der “Echt-Kalender Typ”, der einen Kalender anfassen können muss und generell behauptet, dass der Hauptvorteil sei diesen jederzeit schnell griffbereit zu haben. Oder jemand findet Kalender generell schlecht und steigt voll aufAbhaklisten um. Vielleicht aber auch irgendein Zwischending aus beidem.
Mancher bevorzugt digitale Eingabemittel — wie beispielsweise sein iPhone und den passenden Computer. Und das Wichtigste, sofern man sich für die digitale Variante entscheidet: Braucht man eine Synchronisierung mit dem Desktop Rechner oder kann man alle Eingaben und Verwaltung pur auf dem Gerät ausführen.
Ebenfalls festlegen sollte man für sich selbst, welche Tipps und Regeln man aus den Buchwerken man für sein eigenes Leben integrieren möchte. Langzeitziele sind für Seiwert wichtig, mancher mag aber gar nicht dieser Ansicht sein.
Meist hat man auch als spontan, kreativer das Problem, dass die angebotenen Tipps nun gar nicht den eigenen Geschmack treffen. Sofern gilt es Alternativen zu finden. (Internet Recherche)
Flexibilität
Wie gesagt ein langer und schwieriger Prozess, der meist als nicht gegenläufig dem empfunden wird was man eigentlich erreichen möchte. Nutzt man jetzt eigentlich lieber OmniFocus oder Things zum Task Management oder reicht die minimale iCal/Google Calender Oberfläche?
Ich beobachte immer wieder, dass Diskusionen darüber entstehen, welche Task Management Tool man denn einsetze. Geradeso als würden einem das Werkzeug besser arbeiten lassen. Was es nicht tut, aber darum geht es nicht. Gerade kreative Menschen “langweilen” sich nach einer gewissen Zeit mit ihrem Tool und steigen auf etwas anderes um. Das ist auch OK. Warum sollte das auch nicht OK sein?
Wichtig ist nur, dass man immer wieder zurück kommt zu dem was man sich ursprünglich als Ziel gesetzt hat und anpasst. Vielleicht passen die ausgewählten Tools gerade einfach nicht mehr, weil sich einfach die Lebensumstände geändert haben. Gerade frisch mit einer Freundin zusammen gezogen? Deine Kalender App kann keine Kalender teilen, ihr wollte aber gewissen Termine dem anderen mitteilen? Schade, das war’s mit dem ursprünglichen Werkzeug. Wieder daran erinnern was man eigentlich will, anpassen an die neuen Umstände, loslaufen.
Eingewöhnungsphase
Auch dauert es, bis man sich einmal an die neuen Zielsetzungen gewöhnt hat. Das hat mich inspiriert diesen Artikel zu schreiben. Viele Menschen wollen Ordnung in ihr Leben bringen. (Warum sie dann eben losziehen und sich den ganzen Zeitmanagement Schlamassel erst einmal aussetzen.)
Freiberufler und Selbständige haben meist die Grössten Probleme. Man ist ja selbst und auch ständig. Das heisst theoretisch könnte man immer arbeiten, man könnte aber auch immer Freizeit haben.
Das Problem hatte ich ebenfalls und man sagte mir, dass Studien zufolge unser Körper einer gewissen Regelmässigkeit folgt, welche wir mit unserem Kopf nicht beeinflussen können. Heisst also beispielsweise folgendes: Hat man sich für einen täglichen Ablauf entschieden, sollte man diesen regelmässig ausführen, damit der Körper um 10 überhaupt “in Stimmung” ist zu arbeiten.
Dieses Gedächtnis muss aber ersttrainiert werden. Bei mir hat es ca. 2 Monate (Kann aber auch länger dauern.) gedauert eh ich überhaupt mal den Ansatz eines schlechten Gewissens verspürte, wenn ich um 10 Uhr nicht arbeitete.
Seit 2 Monaten also versuche ich mich früh um 10 stur vor meinen Rechner zu setzen und zu arbeiten. Und ich sage hier wirklich stur. Die Uhr schaltet um auf 10. Twitter Client zu, Reader zu, alles zu was nicht direkt was mit Arbeit zu tun hat. Push Notifications aus, Growl aus, Mail zu. Ja nicht in Versuchung kommen überhaupt eine andere Tätigkeit auszuführen als diese, von der ich weiss, dass sie mir beruflich hilft.
Um 13 Uhr ist Mittagspause, Reader an, Twitter auf. Entspannung finden, ein bisschen herumlaufen, mal was anderes sehen. Danach? Malochen und tausend Dinge nicht mitbekommen.
Das ist alles echt einfach (nicht), dass es nur ein viertel Jahr dauert eh man irgendeinen Erfolg davon verspürt.
Vielleicht noch etwas: Wichtig war vor allem auch Freizeit und Arbeit zu definieren. Was ist Freizeit? Welche Aktivitäten gehören zur Freizeit? Was arbeitet man eigentlich? (Ich werde tatsächlich nicht für’s schreiben von Emails bezahlt) Welche Aktivitäten können als Arbeit definiert werden?
Sobald das definiert ist, kann man Räume definieren. Echte physikalische Räume oder zeitliche. Von wann bis wann ist Arbeit? Von wann bis wann ist Freizeit?
Danach eben die Aktivitäten am besten vorher planen. Bitte macht das auch mit eurer Freizeit, denn sonst sitzt man Samstags wieder rum und verliert den ganzen Tag damit darüber nachzundenken, was man denn jetzt eigentlich freizeitliches machen könnte.
